In der Region von Gais
heissen Ziegen Geissen.
13. Oktober, 13.30 Uhr: Ihre Lieblingsplätze zeigt uns Laura heute. Nicht am Start unserer Tour in Trogen. Erst nach dem Höhepunkt auf dem Gäbris, erst nach dem Mittagessen. So ergehen wir zwei Höhepunkte unter kundiger Führung einer Frau, die aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden stammt, und einem Sherpa, der lange Zeit am Bodensee lebte.
13. Oktober, 10.00 Uhr: Silvia und Urban treffen in Trogen ein. Mein Bruder und dessen Partnerin wandern mit uns. Urban trägt freundlicherweise Rosmaries Rucksack, er ist ein bewährter Sherpa. Silvia kennt Ausserrhoden seit ihrer Kindheit. Sie ist in Urnäsch aufgewachsen, im Hinterland des Kantons, wie sie mir erklärt. Die anderen zwei Regionen werden Mittelland und Vorderland genannt. Gestern seien wir im Vorderland gewandert, heute befinden wir uns im Mittelland. Ich lerne täglich Neues. Es muss ein grösserer (Halb-)Kanton sein! Mir ist Innerrhoden eher vertraut.
Jetzt hat Silvia ein Heimspiel – und Laura. Sie bringen etwas Sonne und weite Aussichten mit. Mein jüngerer Bruder schlägt ab Trogen ein Tempo an, dem ich nicht folgen kann. Beim Kinderdorf muss er auf mich warten. Bis zum Gipfel des Gäbris auf 1250 m brauchen wir trotz meines schweren Rucksacks weniger Zeit, als der Wegweiser unten angab. Kühe auf den Weiden vergessen vor lauter Staunen über die vier Tourist:innen ihr Kuhglockengeläute. Das Bergpanorama oben ist grossartig. Von links nach rechts sehen wir …. aber kommen Sie selber einmal hierher. Dann werden Sie neben Gipfel neben Gipfel auch Laura kennenlernen.
Laura ist eine Geiss. Eine Geiss aus Gais. „Gais naturgemacht“, wie ein Slogan haisst in Gais. Vom Gäbris steigen wir nach dem Mittagessen nicht auf direktem Weg ins Dorf hinunter. Silvia und Urban zeigen uns einige Lieblingsplätze. Von wem genau? Am idyllischen Gäbrisseeli in der Moorlandschaft reden wir mit einer zutraulichen Ente. Ob sie einen Vornamen hat, ist nicht bekannt. Nach einem weiteren Aufstieg in der Appenzeller Hügellandschaft auf den Sommersberg, dem zweiten Höhepunkt auf 1172 m, wandern wir über den Geissensteig, einem Trainingsparcours für Junggeissen, abwärts. Mancherorts stehen Bänkli zum Ausruhen und Hügel-Berge-Wälder-Schauen. Jedes Bänkli besteht in der Rückenlehne aus einem Paar Gaissen.
13. Oktober, 12.00 Uhr: In der Beiz auf dem Gäbris zückt mein Bruder beim Warten aufs Essen sein Smartphone und beginnt Bilder zu zeigen. Es sind keine Fotos von Bergspitzen. Er zeigt mir Schwarz-Weiss-Bilder von kleinen Kindern. Bilder, die vor mehr als 60 Jahren geknipst wurden. Ich erkenne … mich selber. Klein-Markus steht da, in kurzen Hosen mit modernem Käppi auf dem Kopf. Daneben Urban. Daneben unsere junge Mutter. Ein anderes Foto zeigt Urban und mich in Rieden SG mit Onkel Toni, der uns Most einschenkt. Auf dem Gäbris sehe ich den sechsjährigen Buben, der unterdessen schon etwas länger jung ist. Grüsse gehen zurück in die Kindheit! Rosmarie und ich gehen morgen, sofern es das Regenwetter (?) zulässt, ohne Sherpa ins Innerrhodische nach Brülisau. Über den Fähnerenspitz. Den Hohen Kasten schenken wir uns nach dem Chastenloch gestern.