Ein Napoléon-Bier?
Ein Möhl-Saft oder zwei!
23. April, 9.30 Uhr. Bei Gottlieben am Seerhein – hier wurden während des Konzils von Konstanz (1414 – 1418) Jan Hus und Papst Johannes XXIII. (sic!) gefangen gehalten – stossen wir auf die ausgeschilderte ViaRhenana. Sie wird uns heute während 15 Kilometer bis Steckborn am Untersee führen. Für diese Strecke haben die Thurgauer Wanderwege einen eigenen Prospekt gedruckt. Denn wir gehen auf kaiserlichen Wegen, auf Spuren Napoléons. Zuerst kommen wir jedoch ganz prosaisch im Fischerdorf Ermatingen am Rellingschen Schlössli vorbei, erbaut im 12. Jahrhundert, im Schwabenkrieg 1499 abgebrannt, 1501 wieder errichtet und ab 1579 Freisitz des Junkers Rellingen.
Arenenberg hoch über dem Untersee mit Blick auf die Insel Reichenau wird zum Höhepunkt des Tages. Zum ersten Mal besuche ich das im Bodenseeraum hoch gelobte Schloss mit dem Napoléon-Museum. Es sei, laut Eigenwerbung, ein absoluter Geheimtipp. Wir spazieren in Filzschlarpen (wie in der Stiftsbibliothek Sankt Gallen) und auf rotem Teppich über drei Etagen. Und sollten Ah und Oh von uns geben (was uns nicht gelingt). Selbst den Stammbaum der „Napoléons“ und ihrer Frauen kann ich mir unmöglich merken. Hier oben sind wichtig: Königin Hortense de Beauharnais, ihr Sohn Kaiser Napoléon III. und dessen Frau Eugénie. Sie lebten im 19. Jahrhundert einige Zeit im ländlichen Thurgau sowie in der benachbarten Grossstadt Konstanz. In Arenenberg über dem Untersee hätten sie einen Treffpunkt von Weltruf für viele berühmte Gäste geschaffen, heisst es. Da staunt Rosmarie, die mit dem Weltkulturerbe Dombezirk Sankt Gallen auftrumpfen kann! In der Bibliothek des Schlosses sind 950 Bände versammelt, vorhanden sind u.a. ein Schreib-Zimmer, ein Billard-Zimmer, ein Kaiserliches Bad (eher eine Badewanne…), und zahlreiche kurze Einzelbetten mit Nachttöpfen darunter. Aus den Fenstern gibt es immerhin eine kaiserliche Aussicht auf Untersee und Reichenau! Zum Mittagessen im Bistro Louis Napoléon verzehre ich einen Napoléon-Toast und trinke dazu ein grosses Napoléon-Bier, gebraut in Frauenfeld (!).
Kaiserlich verköstigt, setzen wir unsere Wanderung um den Bodensee fort, es warten noch manche Etappen. Wieder unten am See in Berlingen geniesse ich einen im Thurgau normalen Möhl-Saft, hergestellt in … Arbon. Das ist für mich ein wahrhaft „kaiserliches Getränk“!
Nach dem Bergweg zum aussichtsreichen „Weissen Felsen“ erreichen wir nach dem logischen Abstieg in die Niederungen entspannt Steckborn. Berühmt ist hier die Firma BERNINA. Sie stellt seit 1893 bewährte, präzise Bernina-Nähmaschinen her. Und zum Nachtessen trifft meine Schwester Susanne ein. Sie wird uns morgen begleiten – falls auch das Wetter gut gelaunt mit uns geht.